Männliche B-Jugend » Sachsenliga · Saison 2019/20

Sensation perfekt: HSV-B-Jugend Sachsenliga-Zweiter

Veröffentlicht am Freitag, 29. Mai 2020 · Autor: Uta Büttner

Nach dem coronabedingten Saisonabbruch war lange unklar, ob und wie die Saison in der Sachsenliga gewertet wird. Nun steht die Verbandsentscheidung fest.

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Das Team: Foto: Uta Büttner

Unter normalen Umständen hätte die Mann­schaft in der Halle getanzt, gefeiert und wäre wohl anschlie­ßend spontan zu einem Essen in eine Wein­böhlaer Gast­stätte einge­zogen. Aber was ist momentan schon normal? Also erfuhren es die Spieler, Trainer und Betreuer der männ­li­chen B-Jugend aus einer schlichten WhatsApp-Nachricht: 2. Platz in der Sach­sen­liga in der Saison 2019/2020. Der größte Erfolg einer Nach­wuchs­mann­schaft des HSV Weinböhla, neben dem Aufstieg der ersten Männer­mann­schaft in der vergan­genen Saison auch der größte Erfolg für Trainer Martin Kovar. Herz­li­chen Glück­wunsch und ein großes Danke an alle, die dazu beige­tragen haben: natürlich der gesamte Spie­ler­kader, Trainer und Co-Trainer, die Betreuer, die Sponsoren, vor allem aber auch die Eltern, die ihren Jungs den Rücken für das Hand­ball­spielen frei­ge­halten und sicher auf das eine oder andere gemeinsam geplante Wochen­ende verzichtet haben.

Sachsenliga-Zweiter. Hinter dem HC Elbflo­renz, aber vor solch namhaften und starken Teams wie dem SC DHfK Leipzig oder HSV Dresden. Ein Erfolg, den man erst einmal sacken lassen muss, der beim genauen Hinschauen aber gar nicht so über­ra­schend kommt. Zum Ende der Saison 2014/2015 begann Kovar, ein Nach­wuchs­per­spek­tiv­team aufzu­bauen, danach trai­nierte er die B- und A-Jugend des HSV mit. Immer wieder zog er Spieler jüngerer Jahrgänge mit in die Sachsenliga-Mannschaften, ermög­lichte ihnen so neben einem inten­siven Training auch das Lernen in Begeg­nungen mit zum Teil deutlich über­le­genen Gegnern.

So reifte auch der jetzige Erfolgs­jahr­gang. Zum Teil dem Spie­ler­mangel geschuldet, mussten einige Spieler bereits als C-Jugendliche in der B-Jugend aushelfen, sodass einige letztlich drei Jahre Sach­sen­li­ga­er­fah­rung sammeln konnten. Zudem spielt fast die gesamte B-Jugend auch noch verein­zelt oder ständig in der A-Jugend. Das bedeutete für einige fünfmal Handball in der Woche. Zu Kraft, Kondition und takti­schem Verständnis kam damit auch noch ganz viel Erfahrung hinzu. Das alles, gepaart mit dem über­durch­schnitt­li­chen Talent, das einige Spieler mitbringen, und dem gewach­senen Teamgeist, war die Erfolgs­formel.

Vier Schlüs­sel­spiele gab es für das Kovar-Team in der Saison. Da war zum einen der 2. Spieltag mit der Auswärts­partie bei der NSG Zwickauer HC/Werdau. Das Spiel wurde verloren gegen einen Gegner, der durchaus beherrschbar war. Die Mann­schaft musste geteilt werden, weil die A-Jugend parallel in Freiberg spielte. Es wurden zwei etwa gleich­starke Teams gebildet, doch der B-Jugend fehlte da ein „Kopf“. Diese Erkenntnis wurde bei späteren ähnlichen Konstel­la­tionen berück­sich­tigt.

Schlüs­sel­spiel zwei gab es am 4. Spieltag beim SC DHfK Leipzig. Dort zeigte der HSV eine beein­dru­ckende Team­leis­tung mit Kampf bis zu letzten Sekunde, der mit einem uner­war­teten Unent­schieden belohnt wurde. Fortan wusste die Mann­schaft, dass sie gegen die Großen der Liga mithalten kann. Schlüs­sel­spiel drei war der Hinrun­den­ab­schluss mit der Heim­partie gegen den HSV Dresden. Es war viel­leicht der beste Auftitt des HSV in der Saison. 40 Minuten lang klappte gegen einen stark aufspie­lenden Kontra­henten fast alles. Egal, was die Dresdner machten, die Kovar-Schützlinge hatten in Abwehr und Angriff immer eine Lösung parat. Mit dem Sieg setzten sich die Wein­böhlaer endgültig in der Spit­zen­gruppe fest.

Schließ­lich gab es noch den Rück­run­den­auf­takt bei Koweg Görlitz. Erneut ein Paral­lel­spiel der A-Jugend und zusätz­lich Verletzungs- bezie­hungs­weise Krank­heits­aus­fall ließen den HSV nur mit sieben fitten Spielern, darunter zwei Torhüter, nach Ostsachsen reisen. Und diese redu­zierten sich durch eine Verlet­zung in einer frühen Phase des Spiels noch mehr. Dass es doch zu einem Sieg reichte, war ein Ausdruck der Moral. Von dem Spiel an glaubte die Mann­schaft an einen Medail­len­platz.

Lediglich drei Nieder­lagen – neben dem Spiel in Zwickau/Werdau wurde auch gegen Meister HC Elbflo­renz sowie im Rückspiel unglück­lich gegen den sich im Rückraum verstärkten SC DHfK Leipzig verloren – sprechen für die Stärke des HSV, der im Saison­ver­lauf immer wieder verlet­zungs­be­dingte Lang­zeit­aus­fälle von Stamm­spie­lern verkraften musste. Dass dies eini­ger­maßen kompen­siert werden konnte, spricht für die Arbeit von Trainer Kovar, der den jungen Jahrgang forderte und förderte, ihn Schritt für Schritt an das Niveau der Älteren heran­führte.

Die Entwick­lung der Spieler ist noch lange nicht am Ende. Das zeigten einige Begeg­nungen, vor allem aber die Teilnahme am Quali­fi­ka­ti­ons­tur­nier zur Mittel­deut­schen Besten­er­mitt­lung. Gegen die drei Leis­tungs­zen­tren aus Leipzig, Dresden und Aue unterlag man zwar, hatte Aue aber am Rand einer Nieder­lage. Der fehlenden Erfahrung und Clever­ness geschul­dete Fehler in der Schluss­phase verhin­derten eine weitere faust­dicke Über­ra­schung .

Um weiter zu wachsen, wäre auch der Prager Hand­ballcup über Ostern eine sehr gute Möglich­keit gewesen, doch auch den verhin­derte Corona. Durchaus möglich, dass der HSV bei der dies­jäh­rigen Auflage sehr weit gekommen wäre und das beste Ergebnis aller fünf Teil­nahmen erreicht hätte.

Das Geschaffte ist eine Zwischen­sta­tion. Bereits in der nächsten Saison kommt es darauf an, den nächsten Schritt zu gehen. Die Mann­schaft trennt sich, der Stamm wechselt in die A-Jugend, die nun älteren B-Spieler müssen Verant­wor­tung über­nehmen, zeigen, was sie gelernt haben, die Jüngeren führen. Und selbst in der A-Jugend mitmachen. Dieser Mann­schaft wird erneut einiges zugetraut, wenn­gleich die körper­li­chen Anfor­de­rungen dort ganz andere sind. Deshalb heißt es im Training nicht nach­lassen, im Gegenteil. Man sollte bereit sein, immer wieder eine Schippe drauf­zu­legen. Denn ohne Training, auch das haben einige Spiele gezeigt, ist es ganz schwer, konstante Leis­tungen anzu­bieten. Doch das Gefühl, etwas erreicht zu haben, sollte Moti­va­tion sein. Eine Einjah­res­fliege muss dieser zweite Platz nicht sein.

Nun heißt es aber auf den Tag warten, an dem endlich dieser große Erfolg gebührend gefeiert werden kann. Jeder hat es verdient.

Für die B-Jugend waren in dieser Saison im Einsatz:

Lucas Schmidt, Konrast Rost, Franz Horn (1 Treffer/alle Tor), Carlos Lorenz (93), Ben Leuteritz (83), Philipp Heyne (65), Luca Schumann (55), Artur Steinicke (22), Simon Voß (18), Ron Karnatz (14), Felix Büttner (7), Sebastian Damme (6), Alwin Nitsche (4), Philipp Schöbel (3), Linus Duroldt (2)

Und noch ein paar weitere statis­ti­sche Details:

  • 373 geworfene Tore bedeuten Platz 5 in dieser Wertung.
  • Bester HSV-Werfer war Carlos Lorenz mit 93 Treffern und Rang sechs der Torschüt­zen­liste. Ben Leuteritz folgt mit 83 Toren auf Platz sieben.
  • 321 Gegentore sind der viert­beste Liga-Wert.
  • Mit einer Tref­fer­quote von 71,43 Prozent vom 7-Meter-Punkt belegte der HSV Rang fünf
  • Erfolg­reichster Siebenmeter-Werfer des HSV war Luca Schumann, der 13 Tore bei 18 Versuchen markierte. Die Quote von 72,22 Prozent bedeuten Platz sechs in dieser Wertung.
  • Mit nur 25 Zeit­strafen und ohne Roter Karte war der HSV das fairste Team der Sach­sen­liga.
  • Philipp Heyne und Ben Leuteritz führen mit je fünf Zeit­strafen die Sünder­liste des HSV an. Damit liegen sie auf den Rängen 28 und 29 der Liga.