Männliche B-Jugend » Sachsenliga · Saison 2021/2022

Sensation perfekt: HSV-B-Jugend Sachsenliga-Zweiter

Veröffentlicht am Freitag, 29. Mai 2020 · Autor: Uta Büttner

Nach dem coronabedingten Saisonabbruch war lange unklar, ob und wie die Saison in der Sachsenliga gewertet wird. Nun steht die Verbandsentscheidung fest.

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Das Team: Foto: Uta Büttner

Unter normalen Umständen hätte die Mannschaft in der Halle getanzt, gefeiert und wäre wohl anschließend spontan zu einem Essen in eine Weinböhlaer Gaststätte eingezogen. Aber was ist momentan schon normal? Also erfuhren es die Spieler, Trainer und Betreuer der männlichen B-Jugend aus einer schlichten WhatsApp-Nachricht: 2. Platz in der Sachsenliga in der Saison 2019/2020. Der größte Erfolg einer Nachwuchsmannschaft des HSV Weinböhla, neben dem Aufstieg der ersten Männermannschaft in der vergangenen Saison auch der größte Erfolg für Trainer Martin Kovar. Herzlichen Glückwunsch und ein großes Danke an alle, die dazu beigetragen haben: natürlich der gesamte Spielerkader, Trainer und Co-Trainer, die Betreuer, die Sponsoren, vor allem aber auch die Eltern, die ihren Jungs den Rücken für das Handballspielen freigehalten und sicher auf das eine oder andere gemeinsam geplante Wochenende verzichtet haben.

Sachsenliga-Zweiter. Hinter dem HC Elbflorenz, aber vor solch namhaften und starken Teams wie dem SC DHfK Leipzig oder HSV Dresden. Ein Erfolg, den man erst einmal sacken lassen muss, der beim genauen Hinschauen aber gar nicht so überraschend kommt. Zum Ende der Saison 2014/2015 begann Kovar, ein Nachwuchsperspektivteam aufzubauen, danach trainierte er die B- und A-Jugend des HSV mit. Immer wieder zog er Spieler jüngerer Jahrgänge mit in die Sachsenliga-Mannschaften, ermöglichte ihnen so neben einem intensiven Training auch das Lernen in Begegnungen mit zum Teil deutlich überlegenen Gegnern.

So reifte auch der jetzige Erfolgsjahrgang. Zum Teil dem Spielermangel geschuldet, mussten einige Spieler bereits als C-Jugendliche in der B-Jugend aushelfen, sodass einige letztlich drei Jahre Sachsenligaerfahrung sammeln konnten. Zudem spielt fast die gesamte B-Jugend auch noch vereinzelt oder ständig in der A-Jugend. Das bedeutete für einige fünfmal Handball in der Woche. Zu Kraft, Kondition und taktischem Verständnis kam damit auch noch ganz viel Erfahrung hinzu. Das alles, gepaart mit dem überdurchschnittlichen Talent, das einige Spieler mitbringen, und dem gewachsenen Teamgeist, war die Erfolgsformel.

Vier Schlüsselspiele gab es für das Kovar-Team in der Saison. Da war zum einen der 2. Spieltag mit der Auswärtspartie bei der NSG Zwickauer HC/Werdau. Das Spiel wurde verloren gegen einen Gegner, der durchaus beherrschbar war. Die Mannschaft musste geteilt werden, weil die A-Jugend parallel in Freiberg spielte. Es wurden zwei etwa gleichstarke Teams gebildet, doch der B-Jugend fehlte da ein „Kopf“. Diese Erkenntnis wurde bei späteren ähnlichen Konstellationen berücksichtigt.

Schlüsselspiel zwei gab es am 4. Spieltag beim SC DHfK Leipzig. Dort zeigte der HSV eine beeindruckende Teamleistung mit Kampf bis zu letzten Sekunde, der mit einem unerwarteten Unentschieden belohnt wurde. Fortan wusste die Mannschaft, dass sie gegen die Großen der Liga mithalten kann. Schlüsselspiel drei war der Hinrundenabschluss mit der Heimpartie gegen den HSV Dresden. Es war vielleicht der beste Auftitt des HSV in der Saison. 40 Minuten lang klappte gegen einen stark aufspielenden Kontrahenten fast alles. Egal, was die Dresdner machten, die Kovar-Schützlinge hatten in Abwehr und Angriff immer eine Lösung parat. Mit dem Sieg setzten sich die Weinböhlaer endgültig in der Spitzengruppe fest.

Schließlich gab es noch den Rückrundenauftakt bei Koweg Görlitz. Erneut ein Parallelspiel der A-Jugend und zusätzlich Verletzungs- beziehungsweise Krankheitsausfall ließen den HSV nur mit sieben fitten Spielern, darunter zwei Torhüter, nach Ostsachsen reisen. Und diese reduzierten sich durch eine Verletzung in einer frühen Phase des Spiels noch mehr. Dass es doch zu einem Sieg reichte, war ein Ausdruck der Moral. Von dem Spiel an glaubte die Mannschaft an einen Medaillenplatz.

Lediglich drei Niederlagen – neben dem Spiel in Zwickau/Werdau wurde auch gegen Meister HC Elbflorenz sowie im Rückspiel unglücklich gegen den sich im Rückraum verstärkten SC DHfK Leipzig verloren – sprechen für die Stärke des HSV, der im Saisonverlauf immer wieder verletzungsbedingte Langzeitausfälle von Stammspielern verkraften musste. Dass dies einigermaßen kompensiert werden konnte, spricht für die Arbeit von Trainer Kovar, der den jungen Jahrgang forderte und förderte, ihn Schritt für Schritt an das Niveau der Älteren heranführte.

Die Entwicklung der Spieler ist noch lange nicht am Ende. Das zeigten einige Begegnungen, vor allem aber die Teilnahme am Qualifikationsturnier zur Mitteldeutschen Bestenermittlung. Gegen die drei Leistungszentren aus Leipzig, Dresden und Aue unterlag man zwar, hatte Aue aber am Rand einer Niederlage. Der fehlenden Erfahrung und Cleverness geschuldete Fehler in der Schlussphase verhinderten eine weitere faustdicke Überraschung .

Um weiter zu wachsen, wäre auch der Prager Handballcup über Ostern eine sehr gute Möglichkeit gewesen, doch auch den verhinderte Corona. Durchaus möglich, dass der HSV bei der diesjährigen Auflage sehr weit gekommen wäre und das beste Ergebnis aller fünf Teilnahmen erreicht hätte.

Das Geschaffte ist eine Zwischenstation. Bereits in der nächsten Saison kommt es darauf an, den nächsten Schritt zu gehen. Die Mannschaft trennt sich, der Stamm wechselt in die A-Jugend, die nun älteren B-Spieler müssen Verantwortung übernehmen, zeigen, was sie gelernt haben, die Jüngeren führen. Und selbst in der A-Jugend mitmachen. Dieser Mannschaft wird erneut einiges zugetraut, wenngleich die körperlichen Anforderungen dort ganz andere sind. Deshalb heißt es im Training nicht nachlassen, im Gegenteil. Man sollte bereit sein, immer wieder eine Schippe draufzulegen. Denn ohne Training, auch das haben einige Spiele gezeigt, ist es ganz schwer, konstante Leistungen anzubieten. Doch das Gefühl, etwas erreicht zu haben, sollte Motivation sein. Eine Einjahresfliege muss dieser zweite Platz nicht sein.

Nun heißt es aber auf den Tag warten, an dem endlich dieser große Erfolg gebührend gefeiert werden kann. Jeder hat es verdient.

Für die B-Jugend waren in dieser Saison im Einsatz:

Lucas Schmidt, Konrast Rost, Franz Horn (1 Treffer/alle Tor), Carlos Lorenz (93), Ben Leuteritz (83), Philipp Heyne (65), Luca Schumann (55), Artur Steinicke (22), Simon Voß (18), Ron Karnatz (14), Felix Büttner (7), Sebastian Damme (6), Alwin Nitsche (4), Philipp Schöbel (3), Linus Duroldt (2)

Und noch ein paar weitere statistische Details:

  • 373 geworfene Tore bedeuten Platz 5 in dieser Wertung.
  • Bester HSV-Werfer war Carlos Lorenz mit 93 Treffern und Rang sechs der Torschützenliste. Ben Leuteritz folgt mit 83 Toren auf Platz sieben.
  • 321 Gegentore sind der viertbeste Liga-Wert.
  • Mit einer Trefferquote von 71,43 Prozent vom 7-Meter-Punkt belegte der HSV Rang fünf
  • Erfolgreichster Siebenmeter-Werfer des HSV war Luca Schumann, der 13 Tore bei 18 Versuchen markierte. Die Quote von 72,22 Prozent bedeuten Platz sechs in dieser Wertung.
  • Mit nur 25 Zeitstrafen und ohne Roter Karte war der HSV das fairste Team der Sachsenliga.
  • Philipp Heyne und Ben Leuteritz führen mit je fünf Zeitstrafen die Sünderliste des HSV an. Damit liegen sie auf den Rängen 28 und 29 der Liga.