HSV Weinböhla
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Fehlwurffestival führt zu deftiger Pleite

3. Spieltag | Radeberger SV gegen HSV Weinböhla | 26:34 (13:16)

Veröffentlicht am Sonntag, 17. September 2017 · Autor: Uta Büttner

Die Männer des HSV Weinböhla können sich Spiele beim Radeberger SV schenken. Wie in den vergangenen Jahren setzte es am Samstagabend beim derzeitigen Verbandsliga-Spitzenreiter eine herbe Niederlage. Doch der HSV scheiterte beim 26:34 (13:16) nicht an einem übermächtigen Gegner, sondern einem nahezu unbezwingbaren RSV-Torhüter Carsten Schmidt. Der 30-Jährige Neuzugang der Bierstädter brachte die Weinböhlaer Spieler mit seinen Reaktionen zur Verzweiflung. Auf der Gegenseite bekamen Tomas Suchy und Philipp Röpke eher nicht viel zu fassen. „Unser Spiel ist darauf angewiesen, dass die Torleute entscheidende Akzente setzen. Das war heute nicht der Fall. Die Torhüter-Position hat den Unterschied ausgemacht“, sagte HSV-Trainer Martin Kovar enttäuscht.

Das Trainer-Gespann Kovar/Nils Gäbler war nach dem Sieg gegen den ESV Dresden vor einer Woche gezwungen, die Mannschaft umzubauen. Mit Tim Krüger, Robin Gaida und Steve Horky standen gleich drei Spieler nicht zur Verfügung, André Häberer und Michal Fric reisten gesundheitlich angeschlagen zum Spiel. Die Trainer machten aus der Not eine Tugend und holten mit Felix Marx den B-Jugend-Sachsenliga-Torschützenkönig der vergangenen Saison in die Mannschaft. Der 17-Jährige, der bereits das Trainingslager vor der Saison mit den Männern bestritten hatte, gab in Radeberg sein Pflichtspiel-Debüt. „Wir erzeugen zu wenig Druck aus dem Rückraum, da kann uns Felix mit seiner Größe und seiner Wurfkraft helfen“ begründete Kovar den Einsatz des Gymnasiasten aus der A-Jugend.

Gemeinsam mit dem gerade aus der A-Jugend in den Männerbereich aufgestiegenen Lucas Blanck gab Marx einen vielversprechenden Einstand, auch wenn er im Gegensatz zu Blanck ohne Treffer blieb. Er traute sich Würfe zu, traf zweimal nur den Pfosten. „Ich war ganz schön aufgeregt. Ich kann es besser, als ich es gezeigt habe“, sagte Marx. Die beiden Youngster bekamen aber gegen die körperlich klar überlegenen Radeberger auch ihre Schwachstellen aufgezeigt. In der Abwehr wurden sie mehrfach förmlich überrumpelt. „Da fehlt ihnen einfach körperlich einiges“, meinte Gäbler und Kovar ergänzte: „Sie müssen lernen. Aber das kann man nur, wenn man mit solchen Situationen konfrontiert wird.“ Das sah Marx ähnlich. „An die Härte bei den Männern muss ich mich noch gewöhnen. Da wird ganz anders zugepackt als in der A-Jugend. Was da von den Schiedsrichtern abgepfiffen wird, geht bei den Männern durch.“

An den beiden Nachwuchsspielern lag es nicht, dass es zu der deftigen Pleite kam. Vielmehr waren es die Unzulänglichkeiten in der Chancenverwertung und die Unfähigkeit, mit einem Rückstand mental umzugehen. Denn 15 Minuten lang war es ein Spiel auf Augenhöhe. Vor allem Fric traf, wie er wollte. Alle neun Tore warf der Tscheche in der ersten Halbzeit. Eine Zwei-Tore-Führung (5:3/10.) wurde aber fahrlässig verspielt, vom 7:9-Rückstand in der 17. Minute erholte sich der HSV nie mehr. In der 21. Minute gab es den ersten Vier-Tore-Rückstand (9:13), und das, obwohl die Trainer unmittelbar zuvor eine Auszeit genommen und neue taktische Anweisungen gegeben hatten. Schmidts Paraden nutzte Radeberg immer wieder zu Kontern, zumal die HSV-Abwehr gegen die robusten Angreifer der Gastgeber viel zu lückenhaft war.

Anfangs der zweiten Halbzeit sah es so aus, als ob Weinböhla noch einmal zurück ins Spiel finden kann. Kovar wechselte sich selbst ein, sollte und wollte dem HSV-Spiel Stabilität geben. Das zeigte kurzzeitig Wirkung. Blanck gelangen auf Zuspiel von Kovar zwei Tore. Als Fric aber mit einem Strafwurf scheiterte, war es um die Gäste geschehen. Sie brachen förmlich auseinander. Und Kovar kritisierte sich selbst: „Ich war schlecht. Von meinen drei Würfen habe ich nur einen im Tor untergebracht.“ Beim 18:25 nach 46 Minuten war das Spiel gegen den HSV gelaufen. Kovar ging wieder vom Feld und sah zu, wie es immer schlimmer wurde. Zehn Minuten vor dem Ende lag man erstmals mit zehn Toren zurück (19:29).

Es spricht für den HSV, dass man sich danach nicht abschießen ließ. Der Kampfgeist sorgte dafür, dass es nicht ganz finster wurde. „Wir wussten, dass unser Auftaktprogramm nicht einfach ist, doch mit zwei Niederlagen in drei Spielen wollten wir nicht beginnen. So stehen wir vor dem Derby am nächsten Sonntag gegen Niederau bereits unter Druck“, kommentierte Gäbler und kündigte an, die Mannschaft in der kommenden Trainingswoche wieder aufzubauen. „Vor allem mental muss die Truppe zulegen“, sagte er.

Für den HSV Weinböhla spielten: Suchy und Röpke im Tor; Fric (9/3), Hasselbusch (4), Häberer (4), Blanck (3), Schroth (3), Grießbach (1), Kovar (1), Lotz (1), Faerber, Marx, Obst, Talkenberg

Fotos: Uta Büttner

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