HSV Weinböhla
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Das Wunder von Naunhof

BSC Victoria Naunhof gegen HSV Weinböhla | 17:25 (11:12)

Veröffentlicht am Montag, 22. Mai 2017 · Autor: Dirk Rostig

In das Rückrundenspiel um den Verbleib in der Verbandsliga starteten die Frauen des HSV Weinböhla mit einer Niederlage und dem daraus resultierenden Rückstand von fünf Toren. Denn vor genau einer Woche gewannen die Spielerinnen des BSC Victoria Naunhof, Tabellenletzter der Staffel West, gegen den HSV Weinböhla, Schlusslicht der Ost-Staffel, mit 26:21 in der Nassauhalle Weinböhla.

Aus der recht aussichtslosen Situation – Weinböhla müsste mit einem Sechs-Tore-Vorsprung gewinnen um die Klasse doch noch zu halten – machten die Weinböhlaerinnen eine Tugend, denn im Rückspiel in der Sporthalle der Oberschule Naunhof hatten sie im Grunde nichts zu verlieren. Allerdings hatte Trainer Michael Becker auch mehrere Überraschungen für die Gastgeberinnen parat, die am Ende für die große Sensation sorgten: Zum einen standen mit Anja und Susi die etatmäßigen Verbandsliga-Torhüterinnen zwischen den Pfosten, zum anderen streifte sich Kristin Löwe nach mehrjähriger Handballpause wieder das Weinböhlaer Trikot über.

Und beides sollte sich bezahlt machen: Dem 1:0 der Gastgeberinnen – wie sich später herausstellen sollte, die einzige Naunhofer Führung – folgten gleich zwei Treffer von Löwe. Und genau so ging es weiter, schon nach zwölf Minuten war Naunhofs Trainer Mathias Pfütze zur Auszeit gezwungen, da lagen seine Damen mit 4:7 hinten. Der HSV erhöhte in der Folge sogar noch auf 4:9 (15.), danach kam aber immer mehr Sand ins Getriebe. Durch Abstimmungsfehler in der Deckung, leicht vergebene Bälle und Ballverluste witterten die Gäste, die heute auch mit vier Toren hätten verlieren können und trotzdem die Relegation gewonnen hätten, wieder ihre Chance. So fiel kurz vor Halbzeit der 11:11-Ausgleich, auf den die HSV-Frauen allerdings mit der Pausensirene einen Treffer zur knappen 11:12-Führung antworten konnten.

In den zweiten dreißig Minuten entwickelte sich ein echter Krimi. Die Weinböhlaerinnen spielten mit mannschaftlicher Geschlossenheit ruhig ihren Stiefel runter, während die Gastgeberinnen mit allen Mitteln dagegenhielten. Aber heute lief es für Weinböhla: Nach zehn Minuten war der alte 5-Tore-Vorsprung wieder hergestellt (13:18) und spätestens ab diesem Zeitpunkt pushte sich Mannschaft, Bank und die kleine Fangemeinde lautstark nach vorn. Unter großem Jubel fiel der 19. Treffer zur rettenden Sechs-Tore-Führung, allerdings war noch über eine Viertelstunde zu spielen.
Aber auch hier zeigte Weinböhla starke Nerven: Anja im Tor vereitelte in dieser wichtigen Phase zwei Siebenmeter und entschärfte reihenweise Würfe aus dem Rückraum. Zudem stand die Abwehr gut und zwang die Gastgeberinnen oft zu Würfen aus schlechten Positionen oder Zeitspiel. So erhöhte der HSV in der Folge sogar auf 14:21 (51.) und 16:24 (57.) und sichert sich mit einem am Ende wohl nicht für möglich gehaltenen aber völlig verdienten 17:25-Auswärtserfolg ein weiteres Jahr den Verbleib in der Verbandsliga.

Trainer Michael Becker freute sich nach dem Spiel: „Wir hatten nur zwei Wochen um uns auf die Relegation vorzubereiten, haben auf die Schnelle nie so zusammen spielen und trainieren können. Aber vor allem wie wir nach so kurzer Zeit in der zweiten Halbzeit als Mannschaft aufgetreten sind, zeigt die mannschaftliche Stärke und Geschlossenheit.“ Und er ergänzt: „Dabei stechen vielleicht Krissi und Katja, die mit ihrer Abgeklärtheit und Erfahrung aufgetreten sind, genauso wie Anja heraus, aber am Ende hat das gesamte Team gewonnen.“

Nun gilt es für die Verantwortlichen des HSV Weinböhla dafür Sorge zu tragen, dass es in der kommenden Saison nicht zu einer ähnlichen Misere kommt und die Mannschaft nichts mit dem Abstieg zu tun hat.

Für den HSV Weinböhla spielten: Anja Rostig und Susann Bäckert im Tor; Theresa Grüssel (1), Pia Hommel (4/1), Lisa Weber (1), Kristin Löwe (6), Denise Hofmann, Lisa Kaufmann, Kristin Herzog, Katja Werner (3), Elisabeth Roth (5), Theresa Mögel (3/2), Odett Smogalski, Franziska Klug (2)

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